Die Pionierin des Schweizer Films, die Regisseurin Tula Roy, ist am 23. Dezember gestorben. Sie wurde 1934 geboren, liess sich in Basel zur Fotografin ausbilden und besuchte später Filmkurse an der F+F und an der Schule für Gestaltung in Zürich. Ihre Berufslaufbahn als Freiberufliche war anspruchsvoll, sie arbeitete für Presse, Architektur, Industrie und Film. Seit Mitte der 1970er-Jahre drehte sie zahlreiche Filme, oft in Zusammenarbeit mit Christoph Wirsing, und unterrichtete am Pestalozzianum in Zürich. Als Mit-Begründerin der CH-Filmfrauen machte Tula Roy das Kino zu einem Ort der Auseinandersetzung und der feministischen Meinungsäusserung. Ihr erster Spielfilm, Lady Shiva oder «Die bezahlen nur meine Zeit (1974), zeugt von ihrem Mut in Anbetracht der Widerstände und Drohungen. Mit Eine andere Geschichte (1993) trug sie dazu bei, die Erinnerung an die Frauenbewegung in der Schweiz zu bewahren. Auch heute noch wird ihr Werk analysiert und gezeigt. Ihr Film Jugend und Sexualität (1979) ist auf der Plattform «Home» der Cinémathèque suisse in der virtuellen Ausstellung «Zum frühen feministischen Film der Schweiz» ausführlich dokumentiert. Der kürzlich inhouse digitalisierte Film wurde vom International Film Festival Rotterdam für das Jahr 2026 ausgewählt, was die Bedeutung und Aktualität von Tula Roys Sichtweise bekräftigt.