Die Cinémathèque suisse würdigt eine der berühmtesten Filmdynastien, die Coppolas. Neben den Werken von Francis Ford stehen auch jene seiner Kinder Sofia und Roman sowie die Filme, in denen seine Neffen Nicolas Cage und Jason Schwartzman und seine Schwester Talia Shire spielen. Der Zyklus beginnt mit der Vorführung von Apocalypse Now Redux in 35 mm auf der Grossleinwand des Capitole.
Familienbande
Über sieben Jahrzehnte, vier Generationen mit Dutzenden von Künstlerinnen und Künstlern erstreckt sich eine der grössten Dynastien, die das Kino je gekannt hat: die Coppolas. Eine weitverzweigte Familie, deren Einfluss hauptsächlich unter dem Antrieb von Francis Ford – dem «Vater» des Kinos, dessen monumentale Filme den Namen bekanntgemacht haben – weit über die siebte Kunst hinausreicht: von Werbemarken über Weingüter und Restaurants bis hin zu Zeitschriften und Bekleidungen. Ganz oben steht jedoch die legendäre Filmografie mit teils individuellen, teils kollektiven Werken, die von der Einzigartigkeit ihrer Urheberinnen und Urheber geprägt ist und an denen ebenso viele Künstlerinnen und Künstler wie Visionen beteiligt sind, die die weltweite Filmkunst nachhaltig beeinflusst haben.
Dieser grosse Zyklus, der vier Monate – November und Dezember 2025 sowie Januar und Februar 2026 – dauert, gewährt einen tiefen Einblick in die Familie Coppola und folgt dem Werdegang und den Lebensumständen ihrer verschiedenen Mitglieder. Um die komplexen familiären Verzweigungen besser verstehen zu können, finden Sie auf der linken Seite einen vereinfachten Stammbaum, der die Personen, die im Mittelpunkt unseres Programms stehen und ihre Verbindungen untereinander, verdeutlicht. Denn nicht alle wissen, dass Talia Shire, die Adrienne aus Rocky und die Connie Corleone aus der Trilogie The Godfather, die Schwester von Francis ist. Oder dass der Dandy-Schauspieler Jason Schwartzman ihr Sohn und somit der Neffe von Francis ist, ebenso wie Nicolas Cage, der eigentlich Coppola hiess, bevor er seinen Namen änderte, um jegliche Identifikation mit seinem Onkel zu vermeiden …
Die Coppolas entstammen einer Musikerfamilie – bevor Carmine Coppola mit seinem Sohn Francis Ford an dessen Mafia-Trilogie und an Apocalypse Now arbeitete, war er ein etablierter Orchesterdirigent – und sie pflegen ihre Kreativität in vielfältiger Weise. Ihre Beiträge zur siebten Kunst spiegeln dies wider und tragen das Erbe jeder Generation in sich. Francis Ford, die Symbolfigur des New Hollywood, realisiert gigantische Projekte, während seine Kinder Roman und Sofia intimere Wege beschreiten, deren Spuren auch die Enkelin Gia folgt. Die Schauspielerinnen und Schauspieler verkörpern einige der bekanntesten Rollen und Gesichter der Filmwelt. Jedes Familienmitglied ist Teil dieses kulturellen Erbes und trägt die Fackel weiter – einzigartige Stimmen, die sich oft vereinen, wie in Rumble Fish oder The Virgin Suicides, gewissermassen einem familiären Opus Magnum.
Dieser Zyklus wählt einen spielerischen und übergreifenden Zugang zum Werk dieser Dynastie, einem wichtigen Teil des zeitgenössischen Kinos, beleuchtet jedoch gleichzeitig eine Praxis, die untrennbar mit der Filmindustrie (unter anderem) verbunden ist: den Nepotismus, insbesondere die «Nepo-Babys», ein Begriff, der die Kinder von Prominenten bezeichnet, die dank ihrer privilegierten Abstammung Zugang zu diesem Milieu erhalten. Die Konstellation Coppola hat zweifellos von dieser Begünstigung profitiert, aber sie hat abgesehen von einigen wenigen unglücklichen Kooperationen einem Talent gedient, das ebenfalls in den Genen zu liegen scheint.
Loïc Valceschini, Programmleiter